ZUKUNFT RINDERMAST 3.0: Hohe Standards für Rindfleisch aus Deutschland
Ende Mai war der BRS gemeinsam mit rund 450 Landwirten, Branchenvertretern, Vermarktern, Verarbeitern und Vertretern des Handels zu Gast auf dem Bullenmastbetrieb von Familie Pahlsmeiser in Delbrück. Im Rahmen der Wochenblatt-Veranstaltung Zukunft Rindermast 3.0
wurde über Prognosen für den Rindfleischmarkt, die Ausgestaltung der Haltungsformen und die Planungssicherheit für Bullenmäster diskutiert.

Viele Bullenmäster in Deutschland setzen auf die Rasse Fleckvieh und investieren bei Neubauten vor allem auf Tretmistställe mit Großgruppenkonzept, die der Haltungsstufe 3 entsprechen.
Trotz rückläufiger Preisprognosen in der ersten Jahreshälfte 2026 zeigt sich der Rindfleischmarkt in Deutschland insgesamt auf einem stabilen Niveau. Fehlende Planungssicherheit beim Stallbau, die Ausgestaltung der Haltungsformen sowie das Mercosur-Freihandelsabkommen stellen Rindermäster jedoch vor große Herausforderungen. Einen Überblick über wichtige Branchenthemen bot die Fachveranstaltung Rindermast 3.0
, die bereits zum dritten Mal vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben ausgerichtet wurde. Gemeinsam mit rund 450 Landwirten, Branchenvertretern, Vermarktern, Verarbeitern und Vertretern des Handels war auch der BRS zu Gast auf dem Bullenmastbetrieb von Familie Pahlsmeiser in Delbrück. Eva und Felix Pahlsmeier haben im Jahr 2006 den ersten Tretmiststall für Mastbullen gebaut und den Betrieb stetig weiterentwickelt auf heute knapp 600 Bullen in Außenklimaställen. Seit 2020 hat sich mit der Direktvermarktung von Rindfleisch und seit 2025 mit dem zusätzlichen Angebot von Koch- und Grillkursen sowie anderweitigen Events ein weiteres Standbein etabliert.
Stabile Nachfrage für Rindfleisch
Während die Nachfrage nach Schweinefleisch sinkt und Geflügel an Bedeutung gewinnt, bleibt der Rindfleischverbrauch in deutschen Haushalten mit 9,5 kg pro Kopf und Jahr weitgehend konstant. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei rund 100%, berichtet Dr. Tim Koch, Bereichsleiter Fleischwirtschaft bei der AMI. Global betrachtet handelt Deutschland vergleichsweise wenig Rindfleisch mit Drittländern, weshalb Herr Dr. Koch durch das Freihandelsabkommen keine enorme Marktflutung erwartet. Südamerikanische Rindfleisch-Exporte dürften sich tendenziell eher auf asiatische Märkte konzentrieren, zumal dort geringe Auflagen bestehen. Größere Auswirkungen auf den deutschen Rindfleischmarkt seien daher nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Marktexperte mit einer Stabilisierung bis hin zu einer positiven Entwicklung der Erzeugerpreise.
Bullenmaststall der Zukunft
Im internationalen Vergleich erfolgt die Rindfleischproduktion in Deutschland unter hohen Standards. Die Anpassungen in der Haltungsform 3 für Mastrinder erschweren jedoch die Planungssicherheit für die Betriebe. Wie sieht der Bullenmaststall der Zukunft aus? Und welche Anforderungen werden Tierwohlprogramme künftig stellen? Wer in einen neuen Stall investiert, braucht 20 Jahre Sicherheit, fordert Fokke Stöver, Bullenmäster und Vorsitzender des Berufsverbandes Rindermast (BVRM). Auch DBV-Vizepräsident Günther Felßner fordert verlässliche Standards, bessere Förderung und eine echte Zukunftsstrategie für die Tierhaltung in Deutschland – sowohl für Neubauten als auch Umbaulösungen. Neben mehr Verlässlichkeit fordern Rindermäster und Branchenvertreter außerdem gleiche Standards für importiertes Rindfleisch. Gerade im Zusammenhang mit Mercosur müsse ein fairer Wettbewerb gewährleistet sein. Zudem sollte die Herkunftskennzeichnung von Rindfleisch auf den Außer-Haus-Verzehr ausgeweitet werden, um die Stärken von deutschem Rindfleisch sichtbar zu machen.
Fazit: Die Perspektiven für deutsches Rindfleisch sind insgesamt positiv. Die Nachfrage ist stabil und die Erzeuger sind bereit, in eine zukunftsfähige Rindermast zu investieren, um den Anforderungen an Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz sowie Produktqualität gerecht zu werden. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie eine leistungsfähige Vermarktungs- und Schlachthofstruktur. Die Veranstaltung hat einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig der Austausch aller Akteure der Wertschöpfungskette für die Zukunft der Rindermast ist.
Mehr Informationen zur Wochenblatt-Veranstaltung: Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben


