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BRS fordert Krisenvorsorge entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Eine krisenfeste Nutztierhaltung braucht mehr als Vorsorge auf den einzelnen Betrieben. Der Bundesverband Rind und Schwein e. V. (BRS) fordert, die gesamte Wertschöpfungskette in die Krisenplanung einzubeziehen – von der Energie- und Futtermittelversorgung über Verarbeitung und Logistik bis hin zu kritischen Dienstleistungen und Zuchtstrukturen. Entscheidend sind dabei praxistaugliche Konzepte, die auch unter realistischen Krisenbedingungen funktionieren. Gerade in der Nutztierhaltung kann die Produktion im Krisenfall nicht einfach heruntergefahren werden. Tiere brauchen kontinuierlich eine funktionierende Versorgungstechnik, betont der BRS. Die Landwirtschaft sei daher ein elementarer Bestandteil der kritischen Infrastruktur und ihre Krisenvorsorge von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Mit diesen Überlegungen bringt sich der BRS in die aktuelle Diskussion des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zur Krisenreaktionsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft ein.

Notstrom muss im Ernstfall tatsächlich verfügbar sein

Besondere Bedeutung misst der BRS einer belastbaren Notstromversorgung bei. Nicht jeder Tierhaltungsbetrieb verfügt über ein eigenes Notstromaggregat. Bei einem großflächigen und länger andauernden Stromausfall sei zudem nicht gewährleistet, dass gemeinsam mit Kommunen, Feuerwehren oder anderen Betrieben vorgehaltene Aggregate tatsächlich zur Verfügung stehen.

Notstromversorgung darf nicht nur formal vorhanden sein. Sie muss ausreichend dimensioniert, kurzfristig verfügbar und unter realistischen Bedingungen funktionsfähig sein, fordert der BRS. Neben Lüftung und Klimatisierung müssten insbesondere Wasserpumpen, Fütterungs- und Futtermischtechnik sowie im Rinderbereich die Melktechnik berücksichtigt werden. Auch die Versorgung mit Energieträgern für einen längeren Notbetrieb müsse gesichert sein.

Die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen

Krisenvorsorge dürfe nicht am landwirtschaftlichen Betrieb enden. Futtermittelherstellung und -verarbeitung, Schlachtung, Kühlung, Verarbeitung und Logistik seien ebenfalls auf eine verlässliche Energieversorgung angewiesen. Für die Rinderhaltung seien zudem Milchgewinnung, Milchkühlung und Milchabholung von zentraler Bedeutung.

Der BRS fordert deshalb belastbare Notfallkonzepte sowie eine gesicherte tierärztliche Versorgung. Auch kritische Dienstleistungen wie Tierkörperbeseitigung, Entmistung, technische Serviceketten sowie der Zugang von Fachpersonal zu den Betrieben müssten in die Krisenplanung einbezogen werden. Notwendig seien zudem redundante Kommunikationswege und klar definierte Ansprechpartner zwischen Wirtschaft, Behörden, Ländern und Bund.

Im Krisenfall schnell und rechtssicher handeln

Ein weiterer Baustein resilienter Strukturen sind aus Sicht des BRS vorab definierte und kurzfristig aktivierbare Ausnahmeregelungen. Wenn die Einhaltung einzelner Vorgaben in einer Krisensituation die Versorgung oder das Tierwohl gefährden würde, müsse es zeitlich befristete und behördlich kontrollierte Abweichungsmöglichkeiten geben – beispielsweise bei Transportzeiten, Melde- und Dokumentationsfristen. Zuständigkeiten und Verfahren sollten bereits im Vorfeld eindeutig geregelt werden.

Heimische Strukturen sichern

Resilienz sei schließlich auch eine Frage der langfristigen strukturellen Leistungsfähigkeit. Heimische Produktions-, Zucht-, Verarbeitungs- und Logistikkapazitäten müssten dauerhaft erhalten werden. Was im Normalbetrieb verloren geht, lässt sich im Krisenfall nicht kurzfristig wieder aufbauen, so der BRS.

Auch die Sicherung genetischer Ressourcen und leistungsfähiger Zuchtstrukturen müsse Bestandteil der Krisenvorsorge sein. Moderne Züchtungsverfahren könnten perspektivisch dazu beitragen, Krankheitsresistenz, Robustheit und Anpassungsfähigkeit weiter zu stärken. Der BRS plädiert deshalb für einen wissenschaftsbasierten und innovationsfreundlichen Dialog über deren Chancen und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen.

Der BRS und seine Mitgliedsorganisationen bieten dem BMLEH ihre Unterstützung bei der weiteren Ausgestaltung der Krisenvorsorge an – etwa durch branchenspezifische Krisenchecklisten und Muster-Notfallpläne, die Identifikation kritischer Schnittstellen und den Aufbau belastbarer Krisenkontakt- und Informationswege. Wir begrüßen ausdrücklich, dass das BMLEH die Krisenreaktionsfähigkeit gemeinsam mit der Wirtschaft weiterentwickeln möchte. Die Praxis muss dabei von Anfang an eingebunden sein, so der BRS abschließend.